E-Zigarette im vergleich zum Tabakerhitzer

19.09.2018 09:10

Der Tabakerhitzer oder -stift, ist ein Hybrid aus altmodischem Glimmstängel und modern designter elektronischer Hülle. Angeblich bietet er alle Eigenschaften der Tabakzigarette, vom Geschmack bis zum Throat Hit, nur eben nicht die negativen. Stimmt das? Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt in einer vorläufigen Risikobewertung des BfR bereits, dass auch verdampfter Tabak zahlreiche und vor allem auch erbgutverändernde / mutagene Stoffe enthält, welche u. a. die DNA-Reparatur hemmen, was zu krebserregenden Mutationen führen kann. Zwar enthalte die Emission eines Tabakerhitzers laut ersten Studien 90 – 95 % weniger gesundheitsschädliche und auch krebserregende Stoffe als die Tabakzigarette. Dennoch konnten einige mutagene Stoffe in Dampf des „Tobacco Heating Systems“ (THS) nachgewiesen werden. Weniger als im Vergleich zu Zigarettenrauch vor allem bei Benzol, Stickoxide und Kohlenmonoxid. Doch in den Dämpfen einer E-Zigarette, die mit nikotinfreiemLiquid gedampft wird, sind diese erbtgutverändernden, reizenden, krebserregenden und gesundheitsschädlichen Stoffe nachweislich gar nicht enthalten. Mal abgesehen davon, dass es auch keine Tabaksticks ohne Nikotin gibt. Der Tabakstift eignet sich also eher nicht als Hilfsmittel zum (nikotinfreien) Rauchstopp. Das Suchtpotenzial wird bisher als sehr ähnlich mit dem der Tabakzigarette bewertet. Auch fällt die Möglichkeit weg, seine Nikotinzufuhr zu dosieren, indem man den Nikotingehalt bewusst wählt, oder eben komplett nikotinfreie Liquids dampft, was einer der großen Vorteile der E-Zigarette zum Rauchstopp ist.

Auch konnte belegt werden, dass die mit dem Rauchen assoziierten Biomarker in Blut und Urin von Testpersonen wie Kohlenmonoxid, Acrolein, 1,3-Butandien, Nitrosamine und Benzol sich nicht so stark reduzierten, wie es der verminderte Gehalt im Dampf der Tabakerhitzer vermuten lassen würde. Niedrigerer Schadstoff-Gehalt im Dampf von Tabaksticks bedeutet also nicht zwangsläufig eine im gleichen Maße niedrigere Belastung für die Gesundheit der Verbraucher. Um dies abschließend zu klären, seien weitere Untersuchungen notwendig, so das BfR auf Seite 2 des Berichts. Auch die im Vorfeld von einigen Tabakkonzernen selbst finanzierten Studien stehen auf dem Prüfstand. So soll vor allem getestet werden, ob Tabakstifte allgemein wirklich eine so starke Verminderung von kanzerogenen und gesundheitsschädlichen Stoffen in den Emissionen erreichen, wie in den Studien behauptet wird. Diese weiterführenden Untersuchungen begannen bereits im Herbst 2017.

„Verminderte Gehalte im Dampf führen somit nicht zwangs­läufig zu einer im gleichen Maße verminderten Exposition des Verbrauchers gegen­über diesen gesund­heits­schädlichen Stoffen“, Vorläufige Risikobewertung des BfR

Und es gibt noch einen weiteren Nachteil – den Preis. Eine 20er Packung HeatSticks ist im Schnitt ähnlich teuer wie eine Schachtel Zigaretten, während der Spareffekt beim Dampfen von Liquids deutlich größer sein kann. Natürlich variiert dieser Aspekt je nach Nikotinstärke und Dampfverhalten. Doch selbst dann ist das Dampfen immer noch vergleichsweise günstiger. 10 ml Liquid sind beispielsweise ab 3,95 € erhältlich während Sie für 20 HeatSticks ca. 6 Euro zahlen.

Unterschiede zwischen E-Zigarette und THS:

  • HeatSticks erhalten immer Nikotin
  • teurer als Dampfen
  • mutagene Stoffe (Stoffe, die das Erbgut verändern) in Emission der Tabakstifte erhalten, die bei E-Zigaretten Dampf komplett entfallen
  • Tabakerhitzer zum echten und nikotinfreien Rauchstopp eher ungeeignet
  • Nikotinmenge genauso hoch wie bei Zigaretten, deshalb ähnliches Suchtpotenzial
  • In der Regel ist der Konsum von Liquids günstiger als der Konsum von HeatSticks & normalen Zigaretten

HPHCs bei der Verwendung von Tobacco Heating Systems

Die Abschwächung der Verbrennung bzw. Erhitzung führt zwar zu einer verminderten HPHC-Bildung (harmful and potentially harmful constituents: HPHC) bei der Verwendung von Tobacco Heating Systems. HPHC bedeutet soviel wie gefährliche und potenziell gefährliche Stoffe. Dennoch sind die Nebenprodukte und HPHCs, die beim Erhitzen des Tabaks mit einem Tabakerhitzer entstehen, denen der Tabakzigarette sehr ähnlich.

INHALTSSTOFF GESUNDHEITLICHE RISIKEN
Acetaldehyd Krebserregend, reizt Atemwege, suchterzeugend
Acetamid Krebserregend
Aceton Reizt Atemwege
Acrolein Reizt Atemwege, belastet Herz-Kreislauf-System
Acrylamid Krebserregend
Acrylnitril Krebserregend, reizt Atemwege
4-Aminobiphenyl Krebserregend
1-Aminonaphthalin Krebserregend
2-Aminonaphthalin Krebserregend
Ammoniak Reizt Atemwege
Arsen Krebserregend, belastet Herz-Kreislauf-System, mutagen
Benzanthrazen Krebserregend, belastet Herz-Kreislauf-System
Benzol Krebserregend, belastet Herz-Kreislauf-System, mutagen
Benzopyren Krebserregend
Blei Krebserregend, belastet Herz-Kreislauf-System, mutagen
1,3-Butadien Krebserregend, reizt Atemwege,
Butyraldehyd Reizt Atemwege, belastet Herz-Kreislauf-System
Cadmium Krebserregend, reizt Atemwege, mutagen
Catechol / Katechol Krebserregend
Chrom Krebserregend, reizt Atemwege, mutagen
Chinolin Krebserregend
m-Cresol Krebserregend, reizt Atemwege
o-Cresol Krebserregend, reizt Atemwege
p-Cresol Krebserregend, reizt Atemwege
Crotonaldehyd Krebserregend
Cyanwasserstoff Reizt Atemwege, belastet Herz-Kreislauf-System
Dibenz(a,h)anthracen Krebserregend
Ethylenoxid Krebserregend, reizt Atemwege, mutagen
Formaldehyd Krebserregend, reizt Atemwege
(p-)Hydrochinon Eventuell krebserregend
Isopren Krebserregend
Kohlenmonoxid Mutagen
Methyl-Ethyl Ketone Reizt Atemwege
4-(Methylnitrosamino)-1-(3-pyridyl)-1-butanon (NNK) Krebserregend
Nickel Krebserregend, reizt Atemwege
Nikotin Mutagen, suchterzeugend
Nitrobenzol Krebserregend, reizt Atemwege, mutagen
N-Nitroso Anbasine (NAB) Krebserregend
N-Nitroso Anatabin (NAT) Nicht klassifiziert
N-Nitroso Nornikotin (NNN) Krebserregend
Phenole Reizt Atemwege, belastet Herz-Kreislauf-System
Propionaldehyd Reizt Atemwege, belastet Herz-Kreislauf-System
Propylenoxid Krebserregend, reizt Atemwege
Pyren Eventuell krebserregend
Pyridin Reizt Atemwege
Quecksilber Krebserregend, mutagen
Resorcin Reizt Atemwege
Selen Reizt Atemwege
Stickoxide Reizt Atemwege, belastet Herz-Kreislauf-System, mutagen
Styrol Krebserregend
Toluol Reizt Atemwege, mutagen
o-Toluidin Krebserregend
Vinylchlorid Krebserregend

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Quelle: Zusammenfassung bisheriger Tabakerhitzer Studien (EN)

Von diesen HPHC-Stoffen sind u. a. NICHT in E-Zigaretten Liquids (ohne Nikotin) enthalten:

  • Ammoniak
  • Arsen
  • 4-Aminophenyl
  • Benzanthrazen
  • Benzol
  • Benzopyren
  • Blei
  • Cadmium
  • Chinolin
  • Hydrazin
  • (p-)Hydrochinon
  • Kohlenmonoxid
  • Nickel (außer im Heizdraht des Verdampfers)
  • Nikotin (da Liquids ohne Nikotin verfügbar sind)
  • Nitrosamine
  • Phenol
  • Pyridin
  • Quecksilber
  • Stickoxide
  • Toluol
  • Vinylchlorid

Viele dieser Stoffe hängen mit dem Konsum von Nikotin zusammen. Somit sind Liquids ohne Nikotin natürlich noch wesentlich risikoärmer als Liquids mit Nikotin.

Viele dieser HPHC-Stoffe, wie etwa Kohlenmonoxid, Stickoxide, Phenol, Blei, (p-)HydrochinonCadmium, Benzol, Arsen, Chinolin, Hydrazin & Toluol, sind jedoch weder in Liquids mit Nikotin, noch in Liquids ohne Nikotin enthalten. Denn sie sind Nebenprodukte die bei einem Verbrennungsvorgang entstehen. Das gilt, natürlich im geringeren Maße, auch für die Erhitzung, selbst wenn diese rund 300 Grad Celsius weniger heiß ist, als die Verbrennung der Tabakzigarette.

Der Name ist nicht Programm – Tabakstift wohl eher kein Hilfsmittel zum Rauchstopp

Es gibt Tabakstifte, die sogar im Namen selbst damit werben, dass sie es Menschen ermöglichen, mit dem Rauchen aufzuhören. Auf den ersten Anblick mag das Sinn machen. Aber das tut es nicht. Denn die Tabakstifte taugen wohl eher nicht so gut wie die E-Zigarette dazu, sich das Tabakrauchen abzugewöhnen. Genau das ist es aber, worauf es unserer Meinung nach bei Alternativen zur Tabakzigarette ankommt – auf den Rauchstopp. In den HeatSticks für Tabakerhitzer ist ähnlich viel Nikotin enthalten wie in normalen Zigaretten und man weiss nicht einmal genau wie viel, da es nicht auf der Packung steht. Erste Tests sprechen von 0,5 mg. Liquids hingegen sind in verschiedenen Nikotinstärken erhältlich, die immer auf der Packung ersichtlich sind und so eine schrittweise oder sofortige Reduktion der Nikotinzufuhr gen Null ermöglichen.

Fazit: Kein Vergleich mit E-Zigaretten

Ja, ein Tabakerhitzer erzeugt weniger schädliche Emissionen als Tabakzigaretten. Auch andere Details mögen Vorteile gegenüber der herkömmlichen Zigarette darstellen. Doch wer wirklich mit dem Rauchen bzw dem Konsum von Nikotin aufhören und deshalb Einfluss auf die enthaltene Nikotinmenge haben möchte und zusätzlich sogar noch Geld sparen will, der kommt um die E-Zigarette nicht herum. Und auch wenn Tobacco Heating Systems wirklich viel weniger Schadstoffe als Zigaretten enthalten, so enthalten sie dennoch mutagene Stoffe, die ein großes Gesundheitsrisiko darstellen, welches beim Dampfen der Elektro Zigarette mit nikotinfreien Liquids komplett entfällt. Der Nikotingehalt der für Tabakerhitzer benötigten HeatSticks ist derweil genauso hoch wie bei herkömmlichen Tabakzigaretten, weshalb auch das Suchtpotenzial nicht geringer ist. Auch hier sind Elektro Zigaretten die wesentlich bessere Alternative, vor allem für die Rauchentwöhnung bzw. den Umstieg. Man kann die Nikotinmenge hier genau dosieren und sogar komplett darauf verzichten. Tabakstifte mögen ein erster Schritt in die richtige Richtung sein, zumindest aus Sicht der Tabakkonzerne. Doch vor allem der nicht dosierbare und hohe Nikotingehalt drängt irgendwie den Verdacht auf, dass es sich hierbei lediglich um ein Versuch handelt, sich die wegbröselnden Marktanteile weiterhin zu sichern, während E-Zigaretten Hersteller vermehrt darauf abzielen, sich vor allem als Hilfsmittel zur Rauchentwöhnung zu positionieren, statt als ebenso süchtig machender Ersatz für Tabakzigaretten. Es ist nicht besser, sich einfach nur darauf auszuruhen, weniger schädlich zu sein. Das Ziel sollte es sein, den Konsumenten beim Rauchstopp / Umstieg zu unterstützen und ihn nicht von einem Produkt auf ein gleich teures, ebenso süchtig machendes Produkt wechseln zu lassen, um die Kurse weiter steigen zu lassen – auf Kosten der Gesundheit der Verbraucher. Ob nun auf geringere, oder nicht.


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